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09 - Apr - 2018
von Hannes Heigenhauser

Bericht als Teilnehmer

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Am 07. April fand zum zweiten Mal der Rüfi 900 statt. Ein Rennen entlang einer der spektakulärsten Skirouten am Arlberg und einer der steilsten präparierten Skirouten der Welt – dem legendären Langen Zug. Nur dieses Mal geht es nicht bergab, sondern es gilt vom Schlosskopfparkplatz bis zur Rüfikopf Bergstation bergauf zu laufen. Grund genug für mich, das Ganze einmal zu testen.

Anmeldung

Der Entschluss beim Rüfi 900 mitzumachen kam bereits früh in der Saison. Die ersten Skitouren hatte ich schon gemacht, aber die große Trainingsmotivation wollte sich nicht recht einstellen. Also musste ein Trainingsziel her. Und da war der Rüfi 900 das perfekte Trainingsziel, um gegen Ende der Saison fit zu sein. So meldete ich mich bereits vor Weihnachten an und war hoch motiviert, ins Training einzusteigen. Und doch dauerte es fast noch bis Ende Januar, bevor ich ernsthaft mit dem Training startete.

Vorbereitung

Skitour-Kaltenberg_by_Hannes-Heigenhauser(c)Lech-Zuers-Tourismus

Berge vor der Haustüre und Berge vor dem Schreibtisch… Bessere Bedingungen kann man nicht haben. So ging es für mich für mich in den Mittagspausen häufig auf die herrlichen Langlaufloipen, um in der Ebene an der Grundlagenausdauer zu arbeiten. Morgens startete ich mit einigen Rumpfübungen in den Tag. Bei schönem Wetter zog es mich an den Wochenenden mit Tourenski zu den schönsten Orten der Region. Es gibt für mich wohl keinen schöneren Weg als beim Wandern oder Tourengehen die Umgebung zu erkunden. Auf diese Weise lernte ich im Februar und März sowohl die Region besser kennen, aber natürlich verbesserte sich auch meine Kondition merklich.

Intensive Trainingsphase

Ab Mitte März begann dann die intensive Vorbereitung. Einige Male ging es am Abend auf die den Langen Zug, um meine Kondition auf der Wettkampfstrecke zu testen. Auch bei den Langlaufrunden im Zugertal wurden die Einheiten intensiver und immer wieder legte ich Intervallsprints ein, um mich an das Wettkampftempo zu gewöhnen. Bei den Skitouren an den Wochenenden genoss ich die Natur weiterhin in vollen Zügen; beim Tourengehen – auch wenn die Touren länger und alleine dadurch intensiver werden – bleibt für mich wohl immer das „Draußen Sein“ in der Natur im Vordergrund und nicht der sportliche Aspekt. Insgesamt kam ich durch dieses Training auf durchschnittlich 5 Ausdauereinheiten pro Woche + den morgendlichen Kräftigungsübungen.

Materialwahl

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Kurz vor dem Rennen stellte sich mir noch die Frage nach der Ausrüstung. Bis auf die Regelung, dass keine motorisierte Hilfe erlaubt ist (oh Wunder ;-) ) haben die Teilnehmer freie Wahl:

Tourenski, Schneeschuhe, Laufschuhe mit Spikes, Steigeisen, u.v.m.

Für mich kamen nur Tourenski oder Laufschuhe mit Spikes in Frage. Aber nachdem meine Tourenski dann doch eher für das perfekte Abfahrtsvergnügen gebaut worden sind und nicht, um am Leichtesten zu sein, habe ich mich für Laufschuhe mit Spikes entschieden. Rückblickend sicher eine gute Wahl für mich.

Die Tage vor dem Rennen

3 Tage vor dem Rennen ging es für mich ein letztes Mal auf die Wettkampfstrecke. Im Intervallmodus lief ich Teile des Langen Zugs bei voller Intensität, um mich noch einmal voll zu verausgaben. Der Donnerstag war dann als Ruhetag eingeplant, um mich wieder zu erholen und um meine Kohlenhydratspeicher  aufzufüllen. Am Tag vor dem Rennen machte ich noch eine Skitour um die Muskelspannung aufzubauen. Und dann war es schon so weit. Auf einmal war der 7. April und damit der Tag des Wettkamps gekommen…

Wettkampftag

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Punkt 6:00 Uhr klingelt der Wecker und holt mich aus einem tiefen Schlaf. Ich blicke aus dem Fenster und erspähe die ersten Sonnenstrahlen, die das Omeshorn erleuchten. Wie vorhergesagt wird es ein traumhafter Tag mit insgesamt 13 Sonnenstunden. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Wettkampf. Nach dem Aufstehen mache ich kurz ein paar Dehnübungen, bevor ich mir mein selbst erdachtes Wettkampffrühstück mache:

Kaffee, Tee, Wasser und dazu ein Porridge mit Blaubeeren, Himbeeren, einer Banane und etwas Honig. Damit hat man Energie für den ganzen Tag…

Um kurz vor 8 fahre ich ins Büro, um meine Ausrüstung zu holen und die GoPro für den Einsatz vorzubereiten. Als Verantwortlicher für das Online Marketing muss das Rennen natürlich von mir filmisch dokumentiert werden :-). Nach der Anmeldung am Schlosskopfparkplatz und meinem Aufwärmprogramm werden alle Teilnehmer von Stefan Jochum gebrieft und es werden noch einmal die wichtigsten Regeln erklärt. Dann läutet Tourismusdirektor Hermann Fercher den Countdown ein und gibt pünktlich um 9:00 Uhr das Startsignal. Gleich zu Beginn geht es über den Wanderweg hinauf zur Skiabfahrt. Bereits hier zieht sich das Starterfeld in die Länge und die Spitzenläufer können etwas Abstand gewinnen. Ich lege motiviert los und liege bis zum Beginn des Langen Zugs mit knapp 100 Metern Rückstand auf Platz 2. Dann beginnt meine schwächste Phase des Rennens: Etwa bei der Hälfte des Langen Zugs verliere ich komplett meinen Rhythmus und damit den Anschluss zum Erstplatzierten Michael Maier vom PME Racing Team Gargellen. Das Verfolgerfeld hingegen rückt immer näher. Im obersten Drittel des Langen Zugs, dem steilsten Abschnitt kann ich als Fünfter den Rhythmus der ersten Verfolger aufnehmen und kämpfe mich mit ihnen nach oben. Der Pulsschlag ist am Limit und jeder Schritt hinauf kostet sehr viel Kraft. Immer wieder setzt man den Fuß unkonzentriert in den Schnee und rutscht dadurch aus. Mit den Stöcken gelingt es mir zum Glück immer wieder, einen Sturz zu verhindern. Dann endlich ist der Lange Zug überwunden und die zweite Verpflegungsstation ist erreicht. Im Vorbeilaufen trinke ich etwas warmen Tee. Auf den Metern hinab zur Talstation des Schafalp Lifts können sich meine Beine etwas regenerieren. Zu dritt beginnen wir den nächsten Anstieg hinauf zur Bergstation des Rüfikopf. Die Führung in der Gruppe wechselt permanent und immer wieder gehen wir im Gleichschritt nebeneinander. Der Erstplatzierte Michael Maier steht da schon längst als Sieger fest, während wir um die weiteren Podiumsplätze kämpfen. Kurz vor Erreichen des Winterwanderwegs können Franz-Josef Schmutzer und ich eine Lücke zu Albert Huber aufmachen, der als ältester Teilnehmer noch um das Podium kämpft. Eine sensationelle und motivierende Leistung, vor der alle Teilnehmer später den Hut ziehen werden. Etwa 750 Meter vor dem Ziel startet Franz-Josef Schmutzer einen Angriff, dem ich nichts mehr zu erwidern habe. So zieht er davon und sichert absolut zu Recht den zweiten Platz. Auf den letzten Metern hinauf zum Ziel brennen meine Oberschenkel und die Lunge schmerzt bereits. Trotzdem motivieren mich die Zurufe der Zuschauer unter deren Applaus ich als Dritter die Ziellinie überquere. Glücklich sacke ich in den Schnee und lasse die Sonne in mein Gesicht scheinen. Wie immer fühlt man sich an der Ziellinie einfach nur glücklich und erleichtert. Diese Mischung aus Erschöpfung, Erleichterung und Glück ist einmalig, weshalb man wohl immer wieder an solchen Wettkämpfen teilnimmt. Ich genieße die Minuten im Ziel und die Gespräche mit den anderen Teilnehmern. Danach geht es hinab ins Tal, wo ich mich ausruhe und für die Siegehrung vorbereite. Bereits jetzt freue ich mich auf Rüfi 900 im nächsten Jahr. Wir sehen uns am Start :-)

Danksagung

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Michael Huber und Pia Herbst stellvertretend für den Skiclub Arlberg bedanken, die eine perfekt organisierte Veranstaltung auf die Beine gestellt haben.

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