Boschweg 9
29 - Aug - 2018
von Markus Hahn

Gipfelsturm Valluga 2.811m

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Ihr kennt das sicher: Es gibt gewisse Touren in den Bergen, die hat man schon länger im Kopf aber ständig verschiebt man die Tour auf ein neues Jahr weil vielleicht mal das Wetter nicht so gut passt oder Freunde einen zu einer anderen Wanderung überreden. Doch vergangenen Montag lies ich mich nicht beirren und habe endlich meinen Plan in die Realität umgesetzt: Einmal vom Rüfikopf über die Stuttgarter Hütte den Robert-Bosch-Weg zur Valluga auf 2.811m Höhe.

Unter strenger Steinbock-Beobachatung

Valluga 7

Los geht es mit der ersten Rüfikopf Gondel um 08:30 Uhr. Von 2.350m geht es durch das wunderschöne Ochsengümple bis zur Rauhkopfscharte. Vorbei an Wollgraswiesen führt der Weg am hinteren Ende dann etwas steiler nach oben. In der Ferne erkenne ich einige schwarze Punkte: Vom Joch oben schaut mir tatsächlich eine Kolonie Steinböcke zu, wie ich mich langsam aber sicher nach oben kämpfe. Zunächst dachte ich, dass die Wildtiere sich schnell von mir wegbewegen, weil sie vielleicht scheu sind oder ängstlich – doch das Gegenteil ist der Fall: Sie bleiben alle einfach stehen, natürlich mitten auf dem Wanderweg. Aufscheuchen will ich die edlen Klettertiere auch nicht – so marschiere ich im sicheren Abstand um sie herum, weit weniger begabt als die Steinböcke selbst. Diese beobachten mich dabei gemütlich und machen sich wahrscheinlich auch lustig – für mich ist es ein einzigartiges Naturschauspiel, das ich so nah beobachten durfte. Ich bin sehr dankbar dafür!

Stuttgarter Hütte

Stuttgarter Hütte

Nachdem ich mich von meinen Zuschauern verabschiedet habe, geht mein Weg weiter von der 2.415m hohen Rauhkopfscharte Richtung Stuttgarter Hütte. Hier bewege ich mich bereits auf Tiroler Boden – die Landesgrenze zwischen Tirol und Vorarlberg verläuft praktisch genau auf diesem Weg. Bei der Stuttgarter Hütte angekommen mache ich nur eine kurze Kaffeepause, schließlich liegt das eigentliche Tagesziel noch 500 Höhenmeter über mir.

Robert-Bosch-Weg

Boschweg 1

Ab sofort beginnt Neuland für mich: Der Robert-Bosch-Weg. Er wurde schon im Jahre 1911 angelegt um die beiden Alpenvereinshütten Ulmer Hütte und Stuttgarter Hütte miteinander zu verbinden. Das Sektionsmitglied Robert Bosch von dem gleichnamigen Unternehmen hat damals die Mittel dafür bereitgestellt. Im Jahr 2011 wurde der Weg mit finanzieller Hilfe vom Familienunternehmen erneuert – daher die Namensgebung.

Valluga – das Dach vom Arlberg

Boschweg 6

Der Weg führt schön trassiert auf der Hangseite leicht ansteigend Richtung Talende. Schon nach wenigen Minuten blitzt das Tagesziel zwischen den Bergspitzen hervor. Direkt unterhalb der imposanten Roggspitze geht es weiter Richtung Talschluss – den Trittkopf auf der anderen Talseite fest im Blick. Am Ende knickt der Weg hinten nach links ab, der andere Weg über die Trittscharte ist leider auf Grund von Steinschlaggefahr schon mehrere Jahre gesperrt. Von nun an habe ich die Valluga immer fest im Blick, der Weg wird nun richtig steil. Zum Glück habe ich alle Zeit der Welt und so schraube ich mich Meter für Meter weiter dem Gipfel entgegen.

360 Grad Panoramablick

Valluga 14

Die Anstrengung lohnt sich. Mein Blick geht nun direkt über die Pazielfernerspitze bis weit ins Rheintal. Auf der anderen Seite erkenne ich die Albona zusammen mit dem Kaltenberg im Hintergrund. Auch der mächtige Pateriol lässt sich erkennen. Man sieht von hier oben praktisch wirklich das ganze Arlberggebiet. Wer hier selbst schon mal stand weiß – es ist mit 2.811 Metern das Dach vom Arlberg. Selbst mein Ausgangsort – der Rüfikopf ist noch zu sehen. Schon jetzt habe ich beschlossen, sie in meine Liste der Lieblingstouren am Arlberg aufzunehmen. Wie gut, dass ich die 1.500 Meter ins Tal jetzt gemütlich mit der Seilbahn zurücklegen kann… Was für eine traumhafte Wanderung!

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