Magnus Walch
18 - Jul - 2016
von Nicole Trinker

Was macht ein Skirennläufer im Sommer?

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Nur weil kein Schnee mehr auf den Pisten liegt, heißt das nicht, dass wir die warme Jahreszeit am Strand verbringen – ganz im Gegenteil: der Sommer ist eine sehr intensive Zeit. Ein Beitrag von Magnus Walch:

Das neue Material ist organisiert, Skischuhe angepasst, Ski eingefeilt, Platten und Bindungen montiert. Nächste Woche geht es für mich das erste Mal seit Mai wieder auf Schnee, ab jetzt im 2 Wochen Rhythmus: eine Woche Schneetraining, eine Woche Konditionstraining.

Seit Ende der Wintersaison haben wir unseren Fokus voll auf das Konditionstraining gelegt. Drei bis vier Tage pro Woche verbringe ich im ÖSV Trainingsstützpunkt im Olympiazentrum Dornbirn. Das Training an den anderen Tagen darf ich am wohl schönsten Arbeitsplatz der Welt absolvieren, in Lech. Und nebenbei habe ich hier auch noch einen super Höhentrainingseffekt. Ein paar Einblicke in mein Trainingstagebuch:

Montag, 8:30 Uhr, sport.park.lech

Ein letzter Blick auf den Trainingsplan dieser Woche, Musik an, Gewicht auflegen, durchatmen. Die Sonne blinzelt durch die großen Panoramafenster des Sportparks. Kaiserwetter. Ich freu mich schon auf die Biketour am Nachmittag. Aber zuerst heißt es am Vormittag Gas geben: Krafttraining für die Beine steht am Programm. Kniebeugen, Kreuzheben, Beinpresse, einbeinige Kniebeugen, Beinbeuger, Abduktoren und Wadenheben. Und Los. Die letzten Wiederholungen sind immer extrem hart. Kurz der Gedanke an die langen, strengen Riesentorläufe in der nächsten Saison, dann weiß man wieder warum man sich so quält und mobilisiert noch einmal die letzten Kraftreserven. Geschafft.

Magnus Walch

Nach einem guten Mittagessen geht’s aufs Mountainbike, Grundlagenausdauer. Ein Genuss bei so einem Wetter. Ich suche mir eine meiner Lieblingsstrecken für heute Nachmittag aus: Rund ums Karhorn. Los geht’s Richtung Warth, dann auf dem Güterweg vorbei an Bürstegg bis zur Steffisalp, hinauf auf den Saloberkopf und durch das Auenfeld nach Oberlech. Wow, heute fühl‘ ich mich gut, den Abstecher hinauf aufs Kriegerhorn gebe ich mir gerade auch noch. Genial. Zum Abschluss noch der Burgwaldtrail -ein Riesenspaß durch die Steilkurven und North-Shore-Elemente. Aber ich muss zugeben: die Black Line mit den Sprüngen und Road Gaps trau‘ ich mir noch nicht ganz zu ;)

Mittwoch, 14:00 Uhr, Zug

Magnus Walch

Nach dem gestrigen Athletik- und Rumpftraining in Dornbirn und der Krafteinheit am Vormittag, hat mein Konditionstrainer heute ein Berglauf-Intervalltraining für mich geplant - ich werde noch an ihn denken, wenn mir gleich die Luft ausgeht. Als Strecke dient mir heute die zweite Etappe des Grünen Rings in umgekehrter Richtung: Von Zug hinauf zum Madlochjoch und hinunter nach Zürs. Auf geht’s. Es ist steil, es ist streng, aber genau das bringt mich weiter. Im Laufschritt vorbei an grasenden Kühen. Haben die mir gerade zugeschaut und den Kopf geschüttelt? Ja, ich würde jetzt auch lieber hier gemütlich etwas jausnen und die Aussicht genießen, aber so wird man nicht Olympiasieger.

Das letzte Intervall hinauf aufs Madlochjoch. Yes, geschafft. Vor ein paar Monaten bin ich hier noch mit angeschnallten Ski gestanden und habe mich auf die bevorstehende Tiefschneeabfahrt gefreut. Jetzt bin ich froh, die strengen Intervalle hinter mir zu haben und diese Aussicht genießen zu können. Auf dem Weg hinunter nach Zürs lege ich noch einen Halt am Zürser See ein. Laufschuhe aus, Beine ins Wasser, Blick auf die Bergwelt - was für ein geniales Gefühl.

Samstag, 08:00 Uhr, Formarinsee

Magnus Walch

Am Donnerstag und Freitag standen in Dornbirn Schnelligkeit & Schnellkraft, Krafttraining für Oberköper und Beine und ein Rumpfzirkel am Programm. Heute Vormittag ist wieder Ausdauer am Plan: Bergtour auf die Rote Wand. Im ersten Bus zum Formarinsee treffe ich eine Gruppe Lechweg-Wanderer. Beneidenswert, wenn man den Weg von der Lechquelle nach Lech noch nicht kennt und ihn das erste Mal erleben darf.

Die Pulsuhr meldet: GPS und HF-Gurt gefunden, ich drücke auf Start und los geht’s. Der Weg hinauf zum Gipfel ist für mich einer der schönsten im ganzen Gebiet. Im kleinen Teich am Fuße spiegelt sich die imposante Felsmauer der Roten Wand. Die werde ich auch einmal mit Seil und Karabiner bezwingen, habe ich mir vorgenommen. Weiter oben erkenne ich ein Rudel Steinböcke in der Ferne. Beeindruckende Tiere, so standfest, trittsicher und souverän in steilem Gelände, da kann ich mir für meine Skitechnik vielleicht noch etwas abschauen. Das letzte Stück am Grat entlang hinauf zum Gipfel. Was für ein Ausblick -ein erhebendes Gefühl, ein Gefühl von Freiheit. Die Pulsuhr piepst und meint ich solle mich bewegen. Pssst, nein, jetzt nicht. Tief einatmen, die frische Luft spüren, die Energie der Berge aufnehmen. Dieses Gefühl gibt mir mehr Kraft für den Winter als jedes Training. Einfach unbeschreiblich.

Magnus Walch

Slackline und Slingtrainer in den Rucksack, ab in den Wald. Koordination und Rumpfstabilität sind jetzt am Nachmittag gefragt. An den Klimmzugstangen am Vita-Parcours hänge ich den Slingtrainer auf, gleich daneben spanne ich die Slackline. Einige Übungen sind vorgegeben, ein paar darf ich mir selbst ausdenken. Wie kann ich am besten die Belastungen und Bewegungen vom Skifahren simulieren? Meine Kreativität überrascht mich manchmal selbst, da sind mir ein paar geniale Übungen eingefallen. Die bleiben aber natürlich mein Geheimnis. Ich will meiner Konkurrenz ja keinen Vorsprung geben.

Sonntag, 14:00 Uhr, Golfplatz Lech-Zug

Golfplatz Lech Zug

„Am Siebten Tage sollst du ruhen“, heißt es im Alten Testament. Das gilt auch für mich. Der Sonntag ist unser Wochenruhetag. Zeit für Regeneration, die Muskeln wachsen in der Erholung.

Ideal für eine Runde Golf am neuen Golfplatz in Zug - der ist richtig lässig geworden. Hier kann ich abschalten und habe außerdem noch ein gutes Mentaltraining. Wenn ich am Green mit dem nächsten Putt die Chance auf ein Par habe, ist der Druck groß. Jetzt muss ich meine Leistung auf den Punkt bringen – genau wie bei den Skirennen im Winter.

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