spurbar (15)
18 - Aug - 2015
von Fabienne Kienreich

spurbar trifft Arlberg

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Fünf Tage gastiert die spurbar-Filmcrew in Lech am Arlberg. Mit drei Kammeraleuten und drei Protagonisten reisen wir an, um die Sommerszene für unseren Skifilm spurbar [die Faszination] zu drehen.

Bei wechselhaften Wetterbedingungen tauchen wir in die sommerliche Bergwelt zwischen Wöster, Omeshorn und Valluga ein.

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 Wir wollen zuerst mögliche Drehorte besichtigen, um die schönsten Plätze für unsere Sommerszene zu finden. Wir haben Glück - die Almwiesen blühen, Teufelskrallen strecken ihre feinen Arme der Sonne entgegen und auch der Spullersee präsentiert sich türkisblau. So finden wir verschiedenste Schauplätze für unsere Szene. Besonders bei Sonnenaufgang erwarten wir uns sehr gute Lichtbedingungen und zu Mittag scheint die Sonne an Stellen, die im Winter immer dunkel bleiben. Von Wasserfällen bis hin zu schroffen Gipfeln stehen uns alle Möglichkeiten offen. Wir sind hin und her gerissen zwischen der sommerlichen Almenlandschaft und dem Eindruck, den der Arlberg im Winter bei uns hinterlassen hat.

Was bisher geschah.

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Schon im März waren wir zehn Tage in Lech auf der Suche nach faszinierenden Hängen und perfekten Schwüngen im Schnee für unseren Film. Doch es war ein harter Weg, denn bei unserer Ankunft in Lech konnten wir das Winterwunderland nur erahnen - weit und breit kein frischer Pulverschnee. Wir entschieden uns trotzdem für Filmaufnahmen und drehten zwei Tage eingehüllt von Nebel, Wind - und endlich auch Schneefall. Kaum waren die ersten Flocken gefallen, schoss auch die Motivation unserer Fahrer in die Höhe.

„Wir müssen unbedingt früh los, damit wir die ersten Spuren erwischen.“

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lautete der einstimmige Beschluss. Als am nächsten Morgen die ersten Sonnenstrahlen das frisch verschneite Omeshorn beleuchteten gab es kein Halten mehr. Drei Kameramänner und drei Rider warfen sich umgehend in Montur und auf ging es Richtung Gipfel. Nach langen Aufstiegen und herrlichen Abfahrten bezogen wir am späten Nachmittag auf der Balmalp Stellung um den Sonnenuntergang zu filmen. Die abendliche Stimmung tauchte die Bergspitzen in märchenhaft rotes Licht und in unseren Köpfen schwirrten vor dieser Kulisse noch die Eindrücke des Tages umher.

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Es folgten noch weitere Tage mit Regen, Sonne und abermals Neuschnee. Die Schneedecke wuchs wieder zu einer unberührten Schutzschicht für Wiesen und Felsen und kleidete den Arlberg in seiner besten Robe: verführerisches weiß, das unberührt darauf wartet, mit Skispuren verziert zu werden. Die Oberfläche glitzerte im Sonnenlicht und unsere Ski glitten beinahe widerstandslos dahin. Als Krönung begleitete uns blauer Himmel bei unseren letzten Schwüngen und spätestens an diesem Tag wussten wir, dass keiner von uns die bevorstehende Heimreise gerne antreten würde.

Zurück im Sommer wundern wir uns, wie schnell und weit man mit zwei Holzbrettern und ein bisschen gefrorenem Wasser darunter vorwärts kommt.

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Zu Fuß ist alles anders. Viel weiter erscheinen uns die Distanzen und noch unüberwindbarer die Abfahrten. Im Winter sind wir doch einfach mit den Skiern ein paar Meter weiter gefahren, jetzt bedeutet der gleiche Weg eine halbe Stunde Fußmarsch. Das Rauschen von Bächen ist bis zu den Gipfeln zu hören und als wir für unseren Dreh zum Sonnenaufgang noch viel früher als im Winter aufstehen müssen, haben wir Zeit, die einzigartige Stimmung zu genießen. Dort, wo im Winter hunderte Skifahrer die Piste entlang carven blüht jetzt eine herrliche Almwiese. Tautropfen glänzen in den ersten Sonnenstrahlen und unsere Füße tragen uns Über die Almen zu den großen Hängen des Winters. Hier kann man im Winter runter fahren. Dort auch. Und hier könnte auch eine Line versteckt sein, aber ob der Fels dort drüben genug eingeschneit wird, dass man im Winter drüber springen kann? Derzeit unvorstellbar, beinahe unwirklich. Der Sommer zeigt uns jene Geländeformen die uns im Winter verborgen bleiben. Deshalb sind wir da. Alles wirkt steiler, schroffer und unüberwindbar.

Ich kann nicht aufhören, von einer Bergflanke zur nächsten zu schauen.

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Kann man dort runter fahren? Diese Felsformation sieht genial aus, dort würde ich gerne eine Spur hinterlassen. Dort sind wir schon gefahren, und da auch. So viele Möglichkeiten und eine Unzahl an Spuren, die hier jeden Winter von Menschen hinterlassen werden. Sie haben uns Inspiration für unseren Film gegeben, für den wir jetzt sogar im Sommer drehen. Denn unsere Spuren beginnen nicht nur im Winter, sondern manche auch schon im Sommer. Und hier, in diesem endlos erscheinenden Raum erleben wir fünf weitere, intensive Drehtage.

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Als wir schließlich zum „Langen Zug“, der steilsten Skiroute im gesamten Skigebiet kommen, müssen wir akzeptieren, dass Wandern an dieser Stelle wenig Spaß macht. Geschweige denn der Transport von mehr als 30 Kilogramm Equipment. Die Wiese ist steil und ständig rutscht man ab, einen Weg gibt es nicht. Erstaunlich, dass man sich hier im Winter als geübter Skifahrer verhältnismäßig problemlos bewegen kann. Doch wir wollen weiter, denn neben der Wiese streckt sich die Felswand des Rüfikopfs eindrucksvoll in die Höhe. Dort wollen wir hin, Steilwanddreh. Wir platzieren unsere Kameras, bauen Standplätze und beginnen mit dem Abstieg am Seil. Ein außergewöhnlicher Drehplatz und das stabile Wetter ermöglichen uns einen ganzen Drehtag vor der traumhaften Kulisse. Am Ende sind wir froh, dass uns nach dieser Kletterei der Wanderweg unter der Gondel mitten in den Ort zurück bringt.

Ein Gewitter kündigt sich mit Donnergrollen an und schnell ziehen tiefschwarze Wolken Über die Bergspitzen herein.

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Wir bringen unser Equipment in Sicherheit und erwarten für die nächsten Tage wieder Sonne. Dafür haben sogar unsere CableCam, eine Seilkamera, die mit bis zu 300 Meter Seillänge und 70 km/h Höchstgeschwindigkeit Über die Landschaft hinweg schwebt aufgebaut, die uns beeindruckende Perspektiven ermöglicht. Zu unserem Glück entkommen wir den schweren Unwettern und sind fasziniert von der Bergwelt, die uns schon im Winter so sehr beeindruckt hat.

Unsere Faszination für das Skifahren und die Bergwelt erweitert sich um eine neue, sommerliche Seite.

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Wir verlassen den Arlberg mit vielen Stunden Filmmaterial, hunderten Drehfotos im Gepäck und großer Vorfreude auf den Winter. Bald werden wir wieder kommen, mit einem brandneuen Film der zeigen wird, dass wirklich jeder Mensch das Hochgefühl der eigenen Skispur erleben kann, egal ob Geländeneuling oder ambitionierter Freerider. Denn der nächste Hang wartet schon darauf, spurbar zu werden.

Bis bald, Lech am Arlberg.

Schon wenige Tage nach dem Dreh am Arlberg präsentierte spurbar den Trailer zu ihrem Film, der ab September zu sehen sein wird:

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