Bergretter_Lech_Zuers(c)Lech-Zuers-Tourismus
17 - May - 2017
von Hannes Heigenhauser

Im Notfall Grün

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Melanie, Angelika, Christine und Anna-Katharina sind immer im Einsatz. 24 Stunden, sieben Tage die Woche, an Sonn- und Feiertagen. Daran erinnert sie ihr kleiner schwarzer Pager, den alle Frauen stets bei sich tragen, seit sie sich zu Bergretterinnen der Bergrettung Lech haben ausbilden lassen.

Piept der Pager, ist Eile angesagt…

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… Denn egal ob Sommer oder Winter, er signalisiert, dass jemand in Gefahr ist. „Eile heißt aber nicht, in Panik zu verfallen“, sagt Melanie. Die Bergretterin ist auch Alpinausbildnerin und schult angehende Rettungskräfte. Dabei seien es vor allem die Besonnenen, die sich zu sehr guten Rettern entwickeln würden, weiß sie. Dass im Urlaub etwas passieren kann, ist ein Szenario, das man als Gast gerne ausblendet. Nicht, dass man sich leichtsinnig verhält, aber man möchte doch lieber nicht darüber nachdenken, dass die Bergrettung für einen selbst ausrücken muss. Zu wissen, dass es sie gibt, ist dagegen ein sehr beruhigendes Gefühl.

Für die Lecher und Zürser gehört die Bergrettung so wie viele andere Institutionen zur notwendigen Infrastruktur. Die Bergrettung muss funktionieren, um den Gästen einen erholsamen und stressfreien Urlaub garantieren zu können. Egal ob Pistenarbeiter, Hoteliers, Köche, Ärzte, Skilehrer, Wanderführer oder eben Bergretter: Ohne den Einsatz und das Engagement vieler Einheimischer im Hintergrund wäre Lech Zürs nicht die begehrte Urlaubsdestination, die sie ist.

Regelmäßiges Training….

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… Für die vier Damen von der Bergrettung bedeutet das unter anderem, jeden ersten Samstag im Monat an einer Übung teilzunehmen, bei der alle möglichen Szenarien durchgespielt werden. 

Was tun bei einer Lawine? Wie seile ich Personen aus einer Gondelbahn ab? Wie finde ich Spuren eines vermissten Wanderers? 


Die Ausbildung zum Bergretter ist mit verschiedenen Kursen, die über ein Jahr verteilt sind, relativ kurz. Doch dadurch, dass auch die Neuen gleich zu Einsätzen mitgenommen werden, stellt sich die notwendige Routine schnell ein. „Man kann meistens jede helfende Hand gebrauchen“, sagt Anna-Katharina. Ob es die Frauen schwer haben in einer vermeintlichen Männerdomäne? Nein, sagt Christine. Bei einem Einsatz finde jeder ganz schnell zu seiner Rolle. Dabei gehe es nicht um Mann oder Frau, sondern um die Talente jedes einzelnen Retters. Starke Nerven gehören für alle dazu, denn Rettungsaktionen können trotz aller Erfahrung extrem stressig werden, vor allem, wenn es um Leben und Tod geht. „Man muss eine gesunde Distanz dazu entwickeln“, sagt Christine. „Auch wenn das nicht ausschließt, dass einem bestimmte Situationen sehr nahe gehen.“

Für alles gerüstet…

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… Um optimale Hilfe leisten zu können, ist die Bergrettung Lech mit dem besten Equipment ausgestattet, das es gibt. „Dafür sind wir bekannt“, schmunzelt Melanie. „Auch, dass wir uns in Sachen Klamotten eine Ausnahme gönnen. Eigentlich sind die meisten Bergretter rot gekleidet, nur wir in Lech Zürs tragen grüne Kleidung.“ In diese schlüpfen die Bergretterinnen umgehend, wenn der Pager den nächsten Notruf sendet. Als ehrenamtliche Einsatzkräfte lassen sie dann – wenn irgendwie möglich – ihre Familien und Jobs in der Obhut anderer und setzen sich in den Bergen nach Kräften dafür ein, den Einsatz mit einem Erfolg zu beenden.

Notruf 114

Bei der Bergrettung Lech sind bereits seit 15 Jahren Frauen im Dienst. Derzeit sind es vier unter 30 Männern. Alle Helfer arbeiten ehrenamtlich, als Voraussetzungen müssen sie körperliche Fitness, Affinität zum Berg und ein Interesse für Technik mitbringen. Die Bergrettung hat im Schnitt ca. 30 Einsätze pro Jahr.

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