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26 - Jun - 2014

Ein Meisterwerk der Schiffsbaukunst

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Im Rahmen der Arlberg Classic Car Rally stellt unser Partner SeaCloud einen ganz speziellen Sonderpreis zur Verfügung: einen Reisegutschein für 2 Personen auf einem der beiden Großsegler nach Wahl! Diesen gibt es bei einer kombinierten "seemännischen" Wertungsprüfung zu gewinnen, bei der nicht nur die Geschicklichkeit am Lenkrad und mit der Stoppuhr, sondern auch nautisches Wissen gefragt sein werden.

Doch was ist die SeaCloud überhaupt und warum ist dieses faszinierende Schiff eine solche Besonderheit? Unser Magazinartikel hier klärt alle Interessierten gerne auf:

Die heutige SEA CLOUD wurde 1931 in Kiel gebaut und als größte private Segelyacht der Welt auf den Namen HUSSAR getauft.

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Auftraggeber des letzten Neubaus einer Viermastbark war der Börsenmakler Edward Hutton. Seine Ehefrau, Marjorie Merriweather Post, Erbin eines riesigen Vermögens, richtete die Luxusyacht mit dem damals noch schwarzen Rumpf ein. 2 Jahre lang widmete sie sich akribisch dieser Aufgabe. Sie mietete ein Lagerhaus in Brooklyn, machte einen Aufriss der Innenräume im Originalmaßstab und arrangierte alle Antiquitäten so, wie sie später in den 8 Luxuskabinen stehen würden. Mehr als 9 Monate im Jahr verbrachten die Huttons auf See. Doch das süße Leben wurde bald überschattet: im August 1935 ließ sich das Paar scheiden. Ed Hutton überschrieb Marjorie die Yacht. Als Schlussstrich ließ sie die HUSSAR unter einem neuen Namen registrieren: SEA CLOUD.

Marjorie heiratete noch im selben Jahr ihren Freund Joe Davies, Anwalt und Berater von Präsident Roosevelt.

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Anfang 1937 wurde Davies als Botschafter nach Moskau entsandt und die SEA CLOUD diente als abhörsicherer Diplomatenpalast in St. Petersburg. Marjorie verstand es glänzend, Kontakte zur diplomatischen Szene zu knüpfen, die ihre Einladungen gern zum Anlass nahm, westliche Dekadenz zu studieren. Auch königlichen Besuch verzeichnete die SEA CLOUD auf ihren Reisen, darunter Königin Elisabeth von Belgien und König Gustav von Schweden. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Davies nach Belgien versetzt.

Mit Kriegseintritt der USA begann die Navy, Privatyachten zur Verstärkung der Flotte zu akquirieren.

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Für eine symbolische Charter über 1 Dollar übernahm die Navy die SEA CLOUD, demontierte die Masten und ließ das Schiff grau anstreichen. Ausgerüstet mit Geschützen und Anti-U-Boot-Waffen kreuzte sie unter dem Namen IX-99 als Wetterstation im Atlantik. In Konsequenz einer negativen Wetterprognose wurde sogar der D-Day vom 5. auf den 6. Juni verschoben

Nach Kriegsende ging die Yacht als letzte Überlebende ihrer Art an Marjorie zurück.

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In die Jahre gekommen suchte sie einen Käufer für die SEA CLOUD. Das war das Signal für jenen Mann, der häufiger als jeder andere als Gast an Bord gewesen war: Rafael Trujillo, brutaler Diktator der Dominikanischen Republik, übernahm 1955 das Schiff und nannte es ANGELITA. Die Präsidentenyacht wurde vorwiegend als Hausboot genutzt. In die Schlagzeilen geriet sie erst wieder, nachdem Trujillo am 30. Mai 1961 erschossen wurde. Das Land von einer Revolution erschüttert, segelte die ANGELITA mit der Leiche, einem Teil des Trujillo-Clans und enormen Mengen Bargeld Richtung Cannes. Kurz vor den Azoren erreichte die ANGELITA ein Funkspruch. Die neue Regierung zwang die Besatzung zur Rückkehr

Das Erbstück wurde in PATRIA umbenannt und jahrelang zum Verkauf angeboten.

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Käufer war der Amerikaner Clifford Barbour. In Folge eines verlorenen Rechtsstreits um Steuerschulden wurde die in ANTARNA umbenannte Segelyacht in Panama an die Kette gelegt. Da trat die 26 Jahre junge Stephanie Gallagher auf den Plan, besessen von der Idee einer "Oceanic School". An Bord von Großseglern sollten Studenten ihre akademischen Studien durch ein Programm auf See ergänzen. Sie bezahlte alle offenen Rechnungen, doch Barbour behielt die Schiffspapiere zurück. Was Gallagher aber nicht davon abhielt, in See zu stechen. Von nun an wurde die "Piratin" verfolgt. In Panama kam schließlich das Ende für "Oceanic".

8 Jahre lang war die ANTARNA im Hafen von Colón schutzlos der zerstörerischen Sonne und hohen Luftfeuchtigkeit ausgeliefert.

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Fast in Vergessenheit geraten, entdeckte Kapitän Hartmut Paschburg die ehemalige SEA CLOUD und überzeugte eine Gruppe Hamburger Kaufleute vom Kauf und Umbau zu einem Kreuzfahrtschiff. Ende 1978 war es schließlich so weit: Die SEA CLOUD lief im Hamburger Hafen ein, wo sie von Tausenden begeistert begrüßt wurde.

Die neuen Eigentümer überkamen beim Anblick ihrer Segelyacht jedoch zwiespältige Gefühle.

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Schnell wurde klar, dass doch sehr viel mehr Geld zu investieren sein würde als zunächst geplant. Im Februar 1979 wurde die SEA CLOUD nach Kiel verholt, und die HDW-Werft machte sich an die umfangreichen Instandsetzungs- und Umbauarbeiten. 8 Monate später ging die SEA CLOUD auf ihre erste Kreuzfahrt unter neuer Flagge.

1994 erwarben die Reeder Hermann Ebel und Harald Block das Schiff und betreiben es seitdem als 5-Sterne Segelkreuzfahrtschiff.

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Im Jahr 2001 folgte mit dem Bau der SEA CLOUD II der nächste konsequente Schritt. Heute bieten die beiden traditionell von Hand gesegelten Yachten einzigartige und exklusive Reiseerlebnisse im kleinen Kreis bei legerer Atmosphäre. Und noch heute ist die SEA CLOUD die schönste Windjammerlegende aller Zeiten. Ein mehr als 80 Jahre alter Oldtimer zur See, eben.

TECHNISCHE DATEN:

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Baujahr: Juni 1931
Zulassungsstelle: Malta
Leistung: 3.000 PS
Antrieb: 2 SKL Dieselmotoren
Strassenzulassung: in Arbeit
www.seacloud.com

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