Bergrettung Lech - Allzeit bereit (3)
16 - Oct - 2014

ALLZEIT BEREIT

zur Magazin Übersicht

Jeder ist froh, dass es sie gibt und jeder ist glücklich, wenn er sie nicht braucht. Die Bergrettung Lech steht tagtäglich bereit, um im Notfall schnelle Hilfe leisten zu können.

Manfred Meusburger ist seit vier Jahren Leiter der Bergrettung Lech

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (10)

Dreißig Männer und Frauen stehen 365 Tage im Jahr in ständiger Einsatzbereitschaft, um am Berg in Not geratenen Gästen und Einheimischen zu helfen. Wie alle seine Kolleginnen und Kollegen ist auch Meusburger berufstätig, er ist als Skilehrer und Skiführer auf den Pisten in Lech am Arlberg unterwegs. Den Dienst bei der Bergrettung machen alle freiwillig und unentgeltlich, für Aus- und Weiterbildungskurse werden große Teile der Freizeit geopfert. Wobei dieser Einsatz für Manfred und sein Team kein Opfer bedeutet, im Gegenteil: „Das ist überhaupt das Schönste bei unserer Tätigkeit als Bergretter: Dass wir in der Gemeinschaft etwas Sinnvolles machen“, sagt er und freut sich, dass die Bergrettung bei Gästen und Einheimischen einen sehr hohen Stellenwert genießt. „Die Wertschätzung unserer Arbeit seitens der Bevölkerung und der Gäste ist großartig und man ist uns gegenüber auch sehr großzügig.“

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (1)

Auch die Arbeitgeber der Bergretter zeigen sich äußerst verständnisvoll darüber, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu dreißig Mal im Jahr die Arbeit blitzartig niederlegen und nach einer Alarmierung sofort ausrücken. „Wir haben zum Beispiel auch einen Banker unter unseren Bergrettern, wenn dem sein Pager piepst, dann müssen die Börsen der Welt halt auf ihn warten“, lacht Manfred Meusburger. Die zivilen Berufe der Bergretter sind bunt gemischt und reichen vom bereits erwähnten Banker über Bergführer, Skiführer, Handwerker bis hin zum Hotelier oder Arzt.

Vom Boden und aus der Luft

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (4)

Eingeteilt ist die Bergrettung grundsätzlich in zwei Teams – die Boden- und die Luftrettung. Während der Wintersaison steht in Lech Zürs permanent der Rettungshubschrauber „Gallus 1“ bereit; wenn es die Wetterbedingungen zulassen, steigt der Helikopter auf, bei nicht flugtauglichem Wetter kommt die Bodenmannschaft zum Einsatz. Bei den – zum Glück sehr seltenen – Lawinenabgängen rückt das Bodenteam auch mit der bereitstehenden Hundestaffel aus und zwei ausgebildete Lawinenhunde helfen bei der Suche nach Verschütteten.

Riesenvorteil eines Wintersport-Hotspots wie Lech ist auch, dass im Skigebiet tagtäglich hunderte Skilehrer und Skiführer unterwegs sind, die bei Großeinsätzen per SMS alarmiert werden und bei den Such- und Bergearbeiten mithelfen. Gerade in solchen Extremfällen ist schnelle Hilfe oft sehr entscheidend.

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (2)

Im Winter hat die Bergrettung Lech erfahrungsgemäß um einiges mehr zu tun als im Sommer, auch die Einsätze selbst unterscheiden sich logischerweise grundsätzlich. Am meisten zu tun, so Manfred Meusburger, hat die Bergrettung an ganz bestimmten Tagen: „Wenn es im Winter ein paar Tage lang mit viel Wind geschneit hat und dann der erste Sonnenscheintag kommt, dann wissen wir bereits am frühen Morgen: Heut` könnte was passieren. Der Wind ist ja sozusagen der Baumeister der Lawinen. Wir nehmen dann gleich unsere Ausrüstung in die Arbeit mit, damit es nach einer Alarmierung noch schneller geht.“

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (8)

Wie gehen eine Bergretterin oder ein Bergretter eigentlich mit den tragischen Seiten ihrer Tätigkeit um, wenn etwa einem Lawinenopfer bei allem Bemühen nicht mehr zu helfen ist? Manfred Meusburger wird nachdenklich: „Das verarbeitet jede und jeder von uns individuell, wir kennen uns aber untereinander so gut, dass wir schon wissen, wie wir uns gegenseitig wieder aufbauen können. Während einer Bergung ist keine Zeit zum Nachdenken, da gilt es, die Person möglichst rasch aus der Lawine zu holen. Aber später, wenn man mit den Angehörigen konfrontiert worden ist, da wird diese Person zum Menschen, zum Ehemann, zum Vater – das ist dann oft nicht ganz einfach …“

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (6)

Aber natürlich gibt es – in der überwiegenden Mehrzahl – auch die schönen Einsätze, einer davon, in der vergangenen Wintersaison, ist Manfred Meusburger besonders in Erinnerung geblieben: „Wir haben sehr lange nach einem vermissten Kind gesucht und es dann endlich in einer versteckt gelegenen Senke entdeckt. Das Kind wäre von selber da nicht mehr herausgekommen und das ist für die Mannschaft dann schon sehr schön, wenn man direkt erlebt, dass man wirklich helfen kann.“

Damit es aber erst gar nicht zu tragischen Unglücken kommt, ist die Bergrettung Lech auch aktiv in der Prävention tätig.

Sie unterstützt die nachahmenswerte Lech Zürser Aktion „Check your risk“, in dem Wintersportler an exponierten Stellen noch einmal ausführlich über das Risiko einer Abfahrt abseits der Pisten aufmerksam gemacht werden.

Zudem hat die Bergrettung in Oberlech ein Lawinen Rettungs Trainig Center geschaffen, auf dem jedermann realitätsnah die Ortung, Sondierung und Bergung einer verschütteten Person üben kann. Hier kann auch der richtige und dadurch erst lebensrettende Umgang mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) trainiert werden.

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (7)

Auch die Heranbildung des Nachwuchses liegt der Bergrettung Lech sehr am Herzen, alljährlich gehen die Mitglieder in die Schulen und machen dort Werbung für ihre Tätigkeit. Und dieses Bemühen trägt auch schon Früchte, denn einige Mitglieder des heutigen Teams sind direkt aus dem Nachwuchs zu den verschiedenen Einsatzmannschaften gekommen.

Projekt Bhutan

Bergrettung Lech - Allzeit bereit (3)

Erwähnenswert ist noch das „Projekt Bhutan“, dem sich die Bergretterinnen und Bergretter von Lech seit Jahren mit viel Engagement widmen. Bhutan ist ein Königreich in der Himalaya Region und im Zuge einer Trekking-Tour „entdeckte“ ein Mitglied der Bergrettung Lech die auf über 4.000 Meter gelegene Internatsschule von Lingshi. Drei- bis viertägige Fußmärsche müssen die lernwilligen Kinder auf sich nehmen um zu ihrer Schule zu gelangen. Die Bergrettung Lech hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kindern dort bessere Wohn- und Unterrichtsmöglichkeiten zu schaffen und die hygienischen Bedingungen zu verbessern.

Manfred Meusburger wird mit der Bergrettung Lech auch in dieser Saison wieder jeden Tag bereitstehen und auf einen Einsatzbefehl warten, der jederzeit bei ihm eintreffen kann. Auf die Frage, was er sich denn für sich und sein Bergrettungs-Team für die Zukunft wünschen würde, antwortet er ohne eine Sekunde zu zögern: „Ich wünsche mir nur, dass alle unsere Kameradinnen und Kameraden von ihren Einsätzen immer heil und gesund nach Hause zurückkehren.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – außer, dass sich jeder Gast und jeder Einheimische diesem Wunsch anschließt.

Twitter Account Facebook Account
comments powered by Disqus